blind faith

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Anderssein
Kinderspiele. Spiele der Kinder. Es sind alte Bewegungen, Spielarten, die sich durch Zeiten und Orte reihen. Worte, die gerufen, geflüstert und geschwiegen werden. Hände, die Rituale ausführen und dabei Neues entdecken. Das Plötzliche, Unerwartete im wiederholten Vorgang. Ein Einatmen des Daseins. Im Jetzt. In der Bewegung.
Und all das mit ernsthafter Leichtigkeit aufgenommen: den herbstlichen Geruch von Gras und Erde, die Kühle der Eisenstange an den Fingern, der flauschige Ärmelbesatz des Wildledermantels. Der Wollschal im Gesicht, ein Kratzen, der Blick in Dunkelheit und ringsherum Stimmen, Atmen, die eigene Stimme, das Zählen, laufende Schritte. Abgedämpfte Schritte, bedachte Bewegungen, sich verstecken, listig sein und laufen, an die Reihe kommen. Kinder spielen Leben in Sekundenschnelle.
Selbstvergessensein in Wiederholungsschlaufen. Und später, Weiterträumen, Tagträumen. Wiederholungen ausmalen und sich etwas wünschen. Und auch, um die Unterschiede wissen: N. trug neue Stiefel, und den schönen Wintermantel und sie bestimmte oft, J. tat das, was wir ihr sagten, und N. rief Ich bin die Königin der Welt und ich erklärte.
Das Sosein und das Anderssein im Spiel finden. Ich bin, Ich bin nicht Du und Ich bin die Königin der Welt. Im Blick dieser Fotografie: Kinder, die alte Spiele spielen und sich erfinden. Birgit Szepanski

Teiresias
Blinde Kuh spielen
Schon als Kind in Fotos
blind umhergehen
sich blind verstehen auf der
Netzhaut der Welt
Schicksal spielen mit verbundenen Augen
Und die Blindheitsmetapher ausreizen
Bis zum Ende
Pieter Bruegel
in dieser Fotografie
in Blindenschrift leben
die Zukunft ertasten
mit verbundenen Augen
noch einmal die Augen schließen
und sich wirklich die Augen vorstellen dabei
der anderen, die auch
blinde Kuh spielen
oder sich weitere bildgebende Verfahren
ausdenken für das Schicksal
der blinden Seher/innen von morgen.
Rainer Totzke

 
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