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Bildaufbau eines Gartenbildes
Im Vordergrund ist eine Terrasse zu sehen, die mit hellen Steinplatten angelegt wurde. Im rechten Teil des Bildes steht eine hoch gewachsene Zypresse, die die Vertikale des Bildausschnittes bestimmt. In einer horizontalen Linie laufen die Querstreben einer, aus Holz bestehenden Pergola durch das Bild. Ein ovales Blumenbeet ist mit einem rosa blühendem Rosenstock, verschiedenen Immergrünpflanzen und zwei kleinwüchsigen Zypressen bepflanzt. Dieses Beet umrandet den Blick auf den hinteren Teil des Gartens. Der hintere Teil besteht aus einem Erdbeet, einer Wiese mit Obstbäumen und hochgebundenen Beerenstauden. Es ist ein Nutzgarten.
Eine Hängeampel, mit rosafarbenen Geranien ist direkt über die mittlere Zypresse gehängt worden und unterstreicht die Trennung vom vorderen Terrassenteil zum hinten liegenden Nutzgarten. Die Farben der wenigen Blumen sind in der unteren Höhe rot und weiß, höher wachsende oder gehängte Blumen sind rosa. Die Bäume, Sträucher und die Wiese variieren in ihren Grünabstufungen. Es gibt nichts, was diesen sorgfältig angelegten Gartenblick stört. Der Rasen ist gemäht. Welke Blätter sind beseitigt.
Die Diafotografie zeigt nur diesen, in Szene gesetzten Blick. Ein Arrangement einer häuslichen Harmonie. Ein fehlerfreier und vermutlich sorgenfreier Ausblick auf eine gestaltete Umwelt. Die Diafotografie ist auch eine Dokumentation jenes Gefühls, einen erreichten Augenblick einer selbst geschaffenen Harmonie wiederzugeben. Die Blumenampel hängt richtig, der Rosenstrauch blüht, das Frühsommerlicht fällt vom Süden in den Garten, ohne tiefere Schatten zu werfen.  Birgit Szepanski


Musik!
Man sollte nicht immer gleich psychologisieren, wie unsere  Gärten wären, wenn sie ein Spiegel unserer Seele wären: wohlsortiertes Koniferen-Rauschen, Terrazzo-Platten, Rasenmäher-Abgründe, in sich gekehrte rabattierte Blumen, hängende Geranien (wenn es welche sind), Stockrosen, frisch figurierte Bäume – mit der elektrischen Heckenschere wird jeder zum Frisör oder Bildhauer – all dies: irgendwelche Traum-Symbole für die Seele – man möchte die Menschen sehen, die hier wohnen und das Paradies gestalten, oder lieber doch nicht! – Ich weiß schon, was du sagen willst: Gärten sind billige Anlässe für Dada-Manifeste oder Pathologie, fürs Ironisieren oder Selbstironisieren. – Aber das meine ich nicht! – Sondern zum Beispiel die Zen-Tradition: wo Gärten (oder Bilder von Gärten) ein Notat sind für die reine Leere sozusagen in Japan. Und John Cage ist dort extra hingefahren in seiner immerwährenden Lecture on Nothing und hat diese Zen-Gärten zu ikonischen Partituren für seine Neue Musik gemacht und so wieder eine Hoffnung eingepflanzt in die Erde. – Pathos! –  Anders kann ich es nicht sagen. Macht jetzt Musik zu diesem Foto! Rainer Totzke

 
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