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Parallelprojektion
Das Licht, die Schatten, die Farben. Dieses Foto ist gestellt. Dieses Foto ist natürlich gestellt und arrangiert. Erotik ist immer arrangiert.
Man kann sich in dieses Foto hineinphantasieren: ob die Frau sich das Nachthemd gerade überstreift oder auszieht, ob der Mann schläft dabei, oder nur so tut, als ob er schläft, ob sie weiß, dass er nur so tut, ob er weiß, dass sie weiß, dass er nur so tut, ob es ein altes, in Kichern und Küssen sich auflösendes Spiel ist zwischen den beiden und die Bettdecken wegrutschen werden gleich danach wie immer beim Sex – und ob die Fotografin auch dann noch dabei stehen wird im Türrahmen und weiter fotografiert, und ob auch dies Teil des erotischen Spiels, des Arrangements ist zwischen den dreien, weil die Fotografin zum Beispiel die beste Freundin sein könnte des Mannes und der Frau, nun ja, und was dann weiter geschieht wäre ebenso offen… Und man kann sich auch in die Situation hineinprojizieren, in der das so entstandene Dia dann selbst wiederum benutzt wird in diversen erotischen oder sexuellen Praktiken – vorzugsweise zu Hause natürlich. – Zum Beispiel sich Freunde einladen und eine Diashow zum Thema Eros und Kitsch machen, und sich einfach mal darüber austauschen ganz offen, was man erotisch und was kitschig findet und was nicht, so wie früher. Oder dann doch lieber intimer den Diaprojektor nur zu zweit benutzen und dieses Dia an die gegenüberliegende Schlafzimmerwand werfen, und sich im Lichtkegel selber sehen und lieben, so wie andere es im Spiegel tun. Oder für später, wenn wir älter sind, aufheben, zur Erinnerung. Oder das Dia bei Ebay verkaufen.
Es gibt immer einen Ausweg. Rainer Totzke

Szenografie
Diese Fotografie inszeniert erotische Motive. Sie sind im Detail angelegt, in der Auswahl der zusehenden Gegenstände, in Lichteffekten, in den Falten der weißen Bettdecke, in der halbangedeuteten leeren Fläche des Bettes, in dem über den Kopf gezogenen Nachthemd, in seinem flüchtigen Schattenbild an der Wand.
Die Fotografie legt einen Rahmen an, in der private Erotik ausgemalt werden kann. Der Rahmen und die, in ihm enthaltene Inszenierung ist für die frühen 1970er Jahre bestimmt, in der es weiße Möbel in Hotel- und Privatschlafzimmern gab, in der kleine, rote Wandschirmlampen einen fremdländischen Flair akzentuierten.
Der Wecker ist auf zwanzig Minuten nach elf Uhr gestellt, eine Zeit, in der Phantasien beginnen dürfen. Der Rosenkopf in weißer Vase korrespondiert mit den Lampen, setzt eine Farbgeste, die im Hellweiß des belichteten Raumes eingefügt ist wie ein Ausrufungszeichen, eine vergegenständlichte Geste, Aufruf zur Stimulanz.
Der Schlafraum ist mit mehren Lichtquellen ausgeleuchtet. Schattenbilder von dem über den Kopf gezogenen Nachthemd, von den Lampenschirmen bilden sich auf der Wand und auf dem Bett ab und inszenieren eine dritte Körperlichkeit im Raum.
Im Nebeneinander und der Gleichzeitigkeit dieser szenischen Effekte, durch die Typisierung des Paares entsteht ein anonymer Einstieg, eine imaginäre Tür für jenen Betrachter, der in diese Bild-Inszenierung eintauchen will. Birgit Szepanski

 
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