dieter hacker

Im Jahr 1976 gründeten Dieter Hacker und Andreas Selzer die Zeitschrift „VOLKSFOTO – Zeitung für Fotografie“. In sechs Ausgaben wurde das Thema der Amateurfotografie unter Einbeziehung von Gastbeiträgen behandelt. Die einzelnen Ausgaben der Zeitschrift behandelten Themen wie z.B. Kinderfotos, erotische Fotografie, politisch fotografien, die Grenzen der Fotografie.
Hier ein Auszug aus dem einführenden Text „Der unsichtbare Berg“ erschienen in der Erstausgabe (1976) von VOLKSFOTO:
Mit VOLKSFOTO möchten wir Beispiele dieser Produktion (von Amateurfotografie Anm.) festhalten. Wir möchten den unsichtbaren Berg nichtprofessioneller Kamerabilder deutlicher werden lassen und Ansätze und Entwicklungsmöglichkeiten gegen eine sichtbare professionelle Fotografie zeigen, die ihre Motive und Apparatur allein zur repräsentierenden oder dekorativen Dienstleistung verwendet. Mit dieser Zeitschrift möchten wir die ersten Ansichten eines Gebiets veröffentlichen, das, wenn überhaupt wahrgenommen, sich einem ausdauernden, forschenden Interesse weitgehend verschloß, weil es zu nahe  und zu direkt unseren Alltag begleitete. Dieter Hacker/Andreas Selzer

Dieter Hacker, geboren 1942, lebt und arbeitet in Berlin
Er war von 1990 bis 2007 Professor an der Universität der Künste, Berlin









Bilder aus einem Album
Unter hundert Fotoalben, die wir durchblättern, stoßen wir eben doch mal auf eines, in dem die Konventionen des amateurhaften Fotografierens durchbrochen sind.
Nicht nur die Sonntagsereignisse zu fotografieren, sondern auch Szenen des Alltags wie das Geschirrspülen und Kämmen, bedeutet immerhin, daß der Fotograf nicht mehr für nötig hält, vor seinem wirklichen Leben eine unwahre Fassade aufzubauen. Genauso souverän fotografiert er „unseren Buick“, denn er stellt nicht mehr zur Tarnung seines Besitzerstolzes seine Frau davor.
Das verwackelte Foto nicht mehr in den Papierkorb zu werfen, sondern eines kleinen Witzes für würdig zu befinden, zeigt, daß er den Respekt vor dem Medium der Fotografie verloren hat und es dadurch auch spielerisch benutzen kann.
Erotische Fotos, die, wenn sie von Fotoamateuren gemacht werden, gewöhnlich verschämt in der Schublade verschwinden, werden hier selbstbewußt ins Album geklebt – zu Recht – den besonders das Bild „nach der Bescherung, 1946“ ist in seiner Spontanität und seiner Assoziationsfähigkeit den meisten professionellen Pornos überlegen.
Volksfoto, Zeitung für Fotografie, Nr. 1 1976
Herausgegeben von Dieter Hacker und Andreas Selzer




“Die fleißigen Minnas”



“Spieglein, Spieglein an der Wand”



“Unser Buick”



“Sturm und Nebel”



“Auf Insel im Königssee”



“Nach der Bescherung”